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Andacht: Menschen lieben ... ganz praktisch

„Wir fuhren von der Türkei nach Griechenland in einem Schlauchboot mit 20 Personen“ erzählte mir der junge Familienvater aus Syrien. Seine Frau sitzt daneben und hält den kleinen 6-monatigen Sohn auf dem Schoß. „Mitten auf dem Meer fiel der Motor aus. Wir versuchten es mit allen Handys, jemanden zu erreichen. Aber niemand ging dran. Alles war wie tot. Es wurde dunkel und kalt mitten auf dem Wasser. Die ganze Nacht harrten wir aus. Ganz enge rückten wir zusammen. Und wir hatten keine Ahnung, ob wir jemals Hilfe bekommen sollten.“ Am nächsten Morgen, einige Zeit nach Sonnenaufgang kam endlich Hilfe und schleppte das kleine Boot nach Griechenland. Über die Balkanroute kamen die drei schließlich über Österreich nach Deutschland in die Notunterkunft von Uffenheim.
Dann zeigt er mir die Bilder auf seinem Smartphone von Aleppo, seiner Heimatstadt. Vor und nach der Bombardierung. Auf einem Bild Prachtstraßen mit Palmen gesäumt. Auf dem nächsten Bild ein Bild des Grauens, wie wir sie aus dem Fernsehen kennen.

Während ich dem ca. 25 jährigen Mann mit gepflegtem Vollbart zuhöre frage ich mich: „Was muss passieren, dass man so eine Strapaze auf sich nimmt? Wie schlimm muss es um ein Land stehen, dass die Menschen zu 10.000enden das Land verlassen? Männer, Frauen, Kinder, Schwangere, Familien usw.

Es gibt kein Thema, das uns hier in Deutschland so sehr bewegt, wie die Flüchtlingswelle, die uns eine Million Flüchtlinge im Jahr 2015 ins Land gespült hat. Das sind eine Million Einzelschicksale. Menschen, die keinen anderen Ausweg sehen, als ihre Heimat zu verlassen und in ein fremdes Land zu fliehen.
Oft nur mit den Kleidern am Leib – sonst nichts.

Haben wir als Deutschland – eines der reichsten Länder der Welt – nicht eine besondere Aufgabe in dem Ganzen? Wenn nicht wir – wer dann – soll diesen Menschen helfen, die mit Mühe und Not Leib und Leben gerettet haben?

So habe ich das immer gesehen.

Aber dann passierten diese Vorkommnisse in Köln und anderen Städten in der Silvesternacht. Fremdländische Männer, die systematisch gegen Frauen vorgehen. Sie belästigen und ausrauben. Etwas, was es vor einem Jahr in dem Ausmaß noch nicht gegeben hat. Und plötzlich wird schmerzlich deutlich, dass hier Kulturen aufeinander prallen. Menschen, die ganz anders denken und handeln als wir. Die zum Beispiel ein anderes Frauenbild haben als wir.

Wie geht man um mit diesen beiden Polen?
Die große Menge Flüchtlinge, die wirklich unsere Hilfe brauchen.
Eine verhältnismäßig kleiner Anteil von Flüchtlingen, die die deutschen Regeln und Gesetze nicht akzeptieren.

Ich denke, dass wir hier eine umso größere Aufgabe haben: Menschen wirklich zu integrieren. Sie mitzunehmen. Ihnen unsere Kultur, unseren Glauben, unsere Werte nahe zu bringen. Aber sie auch verstehen zu lernen. Ihre reiche Kultur, ihre Gastfreundschaft, ihre Herzlichkeit wertzuschätzen und kennen zu lernen.

Wir haben hier im Lebenstraum-Haus drei kurdische Jugendliche aufgenommen. Sie gehen mit unseren Teilnehmer von Lebenstraum in den Fußballverein, man sitzt zusammen auf dem Sofa und schaut Filme, redet miteinander, lernt voneinander. Das tut gut. Sowohl uns als auch ihnen.
Und manchmal kann man sogar was vom Glauben erzählen. Das ist echt genial.

Oder in unserer Gemeinde – da waren am Sonntag ca. acht Leute aus dem Iran zu Gast. Eine unserer Gemeindemitglieder hat übersetzt. So entstehen viele kleine Brücken und tragen bei zur Integration.

Ich finde, Gott hat uns da eine große Aufgabe vor die Füße gelegt. Wir müssen nicht nach Syrien, Afghanistan in den Iran oder nach Nordafrika. Die Menschen kommen zu uns. Sie brauchen unsere Hilfe. Und wir können sie ihnen geben. Im Namen Jesu. Ganz einfach. Ohne großes Aufsehen. Machst du mit?

Anmerkungen zur Andacht Menschen lieben ... ganz praktisch | Selbst was schreiben

Andacht vom 14.01.2016

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