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Andacht: Ich muss verrückt sein – Teil 2

Shane Claiborne und viele seiner Mitstudenten leisten den Obdachlosen, die in der Kirche Zuflucht gefunden haben, Gesellschaft. Gemeinsam wollen sie verhindern, dass die Kirche von der Polizei im Auftrag der Kirchenleitung zwangsgeräumt wird. Es vergehen die 48 Stunden und es geschieht … nichts.
In den nächsten Tagen und Wochen richten die Studenten eine regelrechte „Wachmannschaft" ein, so dass immer ein paar Studenten vor Ort sind – und per Handy die anderen gerufen werden können, wenn es brenzlig wird. Trotz mehrerer Versuche ist es der Kirchenleitung nicht möglich, die Kirche zu räumen.

Claiborne schreibt: „Jede Woche versammelten wir uns zu Dutzenden zum Sonntagsgottesdienst in St Ed, wo wir alte Choräle und Freiheitslieder sangen. Es war geradezu eine Erweckungsveranstaltung. Es kamen Gospelchöre vorbei und wir tanzten auf den Gängen. […] Kinder und obdachlose Mütter predigten das Evangelium. Wir feierten Kommunion – mit altem Apfelmost und trockenen Bagels oder was wir sonst so auftreiben konnten. – und viele von uns erlebten zum ersten Mal in ihrem Leben wirkliche Gemeinschaft. Der Leib Christi war lebendig und nicht länger gefangen in Kirchenfenstern oder in Büchern über systematische Theologie. […] Eine der Zeitungsschlagzeilen lautete denn auch: „Kirche erlebt ihre Auferstehung".


Das Abenteuer endet viele Wochen nach dem ersten Zwangsräumungs-Versuch mit einer Pressekonferenz der obdachlosen Familien. Viele von ihnen haben eine Unterkunft gefunden – gespendet von Leuten, die davon in den Fernsehnachrichten erfahren hatten.
Die Kathedrale selbst steht danach jahrelang leer und wird irgendwann versteigert.

Claiborne zieht ein Fazit aus diesen Wochen: „In St. Ed, da bin ich wiedergeboren worden … noch einmal. […] Ich dürstete dermaßen nach Gott, schämte mich dermaßen für das Christentum und war gleichzeitig bereit für ein Mehr von etwas anderem.


Shane fasst den Entschluss, anders zu leben. Er will einen Ort finden, an dem Menschen anders leben. Und so kommt er auf die Arbeit von Mutter Theresa in Kalkutta. Er verbringt einige Monate in Kalkutta – bei Leprakranken, in Waisenhäusern und in Heimen für Sterbende.
„Einer der heiligsten Orte, an denen ich war, war eine Leprakolonie außerhalb Kalkuttas. […] Ich verbrachte die letzten Wochen meines Aufenthaltes in dieser Kolonie.[…] Einer der Leprakranken erklärte mir, dass Leprakranke nicht selten das Wort „Danke" gar nicht kennen, weil sie nie Ursache hatten, DANKE zu sagen. […] Ich drehte jeden Tag meine Runden, um neue Freunde in der Kolonie zu besuchen. […] In der Leprakolonie hatte ich das seltsame Empfinden, dass Gottes Geist in mir lebendig war." [/i]

Mutter Teresa sagte einmal: „Kalkutta ist überall, wenn wir die Augen aufmachen. Findet euer eigenes Kalkutta."

Wenige Tage nach der Heimkehr von Indien macht sich Shane auf den Weg zur Willow-Creek-Church in Chicago, um dort ein einjähriges Praktikum zu machen.
„Ich wollte nicht dasitzen und auf Gottes Plan für mein Leben warten – sondern gucken, wo Gott wirkt und dort mitmachen. Im Großen und Ganzen war das der Grund, warum ich den Sommer in Kalkutta verbrachte und dann ein Jahr in Willow Creek."


Die beiden Welten – die reiche, aber missionarische Willow-Creek-Gemeinde – und die Armen und Leprakranken in Kalkutta – kann Shane kaum zusammen bringen. Es zerreißt ihn innerlich, weil er sich fragt, ob solche großen Gemeinden, die zwar eine gute und persönliche Gemeinschaft leben, wirklich den Menschen dienen, die Hilfe nötig haben.
„Die Versuchung ist groß, bei den Kosten der Nachfolge Kompromisse einzugehen, um mehr Menschen in die Kirche zu bekommen" resümiert er aus dieser Zeit.

Und schließlich kommt er auf den Punkt:
Ich wollte die Gemeinschaft von Willow Creek teilen mit den einsamen, leidenden Massen, die sie so dringend brauchten, die es aber niemals in diese behagliche Welt schaffen würden. Je mehr ich in der Bibel las, desto mehr fühlte ich mich in meinem behaglichen Leben gestört."

Wird es Shane Claiborne gelingen, diese Brücke zu schlagen? Was wird er tun?
Mehr davon in der nächsten JLM – oder in seinem Buch „Ich muss verrückt sein, so zu leben"

Eine Frage persönlich an dich:
Wo ist dein persönliches Kalkutta? Wo sind Menschen in deiner direkten Umgebung, die wirklich Hilfe brauchen?123<

Anmerkungen zur Andacht Ich muss verrückt sein – Teil 2 | Selbst was schreiben

Andacht vom 27.05.2009

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