Hallo,

letzte Woche ging es unter dem Motto „Ein leuchtendes Beispiel“ um John R. Mott.
Mott war Autor, rief verschiedene internationale Hilfswerke ins Leben, arbeitete in staatlichen Kommissionen zur Völkerverständigung mit, leitete lange den CVJM Weltbund, setzte sich praktisch für Flüchtlinge, Gefangene etc. ein und bekam 1946 den Friedensnobelpreis, um nur einige Punkte aus seiner Biographie zu nennen.
Jetzt mag sich der eine oder die andere fragen, wie ein einzelner Mensch so viel Inhalt in sein kleines, kurzes Leben packen kann? Wie es einem Menschen gelingen kann, so viel zu bewegen und Menschen positiv zu prägen. Und ob man von John R. Mott vielleicht ein bisschen was lernen kann, wie das eigene Leben mehr Impact bekommen kann?
Genau darum geht es in dieser Ausgabe der Jugendleitermail.
Wir freuen uns, wenn der gute John euch inspirieren und motivieren kann – ihn würde das sicher auch freuen.
Stephan & Heiko

EIN WORT ZUR ERMUTIGUNG

Fragt nach dem HERRN und rechnet mit seiner Macht, wendet euch immer wieder an ihn!
1. Chronik 16,11 (Hfa)

EIN LEUCHTENDES BEISPIEL WERDEN

Viele verschiedene Leute haben versucht ein Motto über John R. Motts Leben zu setzen – ich reihe mich da mal mit einem seiner Aussprüche ein, den ich für programmatisch halte: „Er, der Eine, hat allein das Recht, den Inhalt meines Lebens zu bestimmen.“

Echtes Leben ist, wenn Jesus den Inhalt bestimmt. Man könnte eine schier ewig scheinende Liste von all dem erstellen, was John Mott in seinem Leben so gemacht hat – es ist fast unglaublich, dass das alles in ein Leben passt. Mott hat sich von Jesus seinen Lebensinhalt bestimmen lassen. Deswegen hatte es dieses Leben in sich.

John Motts Leistung lag weniger in einzelnen großen Taten, als in dem ausdauernden, lebenslangen Streben, Menschen – und Völker – miteinander ins Gespräch zu bringen und Versöhnung über Grenzen hinweg zu vermitteln. Er versuchte dieses Ziel zu erreichen, in dem er Menschen (vor allem Studenten) auf Führungsrollen in Kirche und Gesellschaft vorbereitete.

Als Mott 1946 den Friedensnobelpreis erhält, halten viele Leute Lobreden. Der Präsident des Preiskomitees sagt unter anderem: „er ist seinem Ruf, den er als junger Student gehört hatte, treu geblieben und hat Organisationen geschaffen, die Millionen von jungen Menschen in ihrer Arbeit für christliche Ideale von Frieden und Verstehen unter den Menschen vereinigt hat.“ Ich finde das höchst beeindruckend. Stellen wir uns vor, John Mott wäre nicht nur ein leuchtendes Beispiel, wie es eben wenige nur geben kann. Stellen wir uns vor, von Jesus bestimmtes Leben hätte immer Auswirkungen immensen Ausmaßes. Stellen wir uns vor, Gott wollte die Welt wirklich durch uns verändern – nicht nur ein bisschen, sondern so, dass es kracht. Stellen wir uns vor, so ein Leben könnte Jesus auch in uns bewirken.

Kann das gehen? John Mott würde sagen: Das kann nicht nur, dass muss sogar. „Gott will seinen Kindern Aufgaben geben. Ein Christenmensch, der für sich keine Aufgabe sieht, ist wie eine ausgelöschte Straßenlaterne. Das heißt, er wird zum Verkehrshindernis!“

Das hat jemand über John Mott und dessen Überzeugungen formuliert.
Gott hat eine Aufgabe für jeden von uns. Jesus will unser aller Leben mit Inhalt füllen. Der Geist will durch uns die Welt verändern, will Gottes Reich ausweiten.

Das ist es, was lebendiges Leben ausmacht. Das gibt ein Lebenswerk, das von Leben zeugt, das von jesus bestimmt wird. So weit so gut. Aber stimmt der hier gezogene Umkehrschluss auch? Wer keine Aufgabe von Gott annimmt, wer sich nicht von Jesus inhaltlich füllen und in Bewegung setzten lässt, der steht dumm rum? Schlimmer noch: der steht im Weg und behindert den Verkehr des Reiches Gottes?
Ist das so?
Ich glaube ja.
Christsein findet in meinem ganzen Leben statt. Transformiert mein ganzes Leben und macht mich lebendig – oder es ist wirkungslos. Schlimmer noch – es macht mich zum Verkehrshindernis. Ich behindere die Ausweitung des Reiches Gottes auf dieser Welt, wenn ich nette Gottesdienste für mich und meine persönliche Erbauung will und sonst nix.

Ich behindere die Ausweitung des Reiches Gottes wenn ich mich jeder Veränderung in den Weg stelle, weil das ja noch nie so war. Ich behindere die Ausbreitung des Reiches Gottes, wenn ich nach außen ein Bild von Christen abgebe, als wären wir der letzte Schnarchverein und unsere Gemeinden bestünden im Wesentlichen aus Schein- bis Ganztoten.
Ich sage nicht, dass jeder Weltkonferenzen leiten und 9 mal um den Globus schippern muss. Ich will nicht sagen, dass wir alle genau wie John Mott sein sollen.

Aber ich sage: Wer sich sein Leben und dessen Inhalt wirklich von Jesus vorgeben lässt. Der lebt ein Abenteuer – der hinterlässt Spuren – der wirkt als leuchtendes Beispiel – und verändert mit seinem Gott die Welt. Als MitarbeiterIn bist du da auf dem besten Weg!
Aber wie kann das gehen? Wie kriegen wir das hin? Haben wir nicht eh alle schon zu viel zu tun und sind ständig im Stress? Sind wir nicht schon damit überfordert, regelmäßig zu beten oder in der Bibel zu lesen? Woher soll Zeit, Kraft und Motivation für so ein Leben kommen?
Dazu bemühen wir noch einmal John Mott. Zwei Dinge kann er uns dazu sagen, wie sich so ein lebendiges Leben leben lässt:

Erstens:

„Um das Werk Gottes zu treiben, brauchen wir den Geist Gottes. Menschenwerk kann man mit Menschenkraft tun.“
Das ist das Wichtigste. Jesus soll den Lebensinhalt vorgeben – nicht ich. Der Geist ist es, der Kraft und Richtung gibt – nicht ich.

Ich kann mich noch so sehr anstrengen – ich werde immer wieder an Kleinigkeiten scheitern. Aber Gott kann. Deswegen ist die Konzentration auf ihn das Wesentliche und Erste.

Zweitens:

27 kleine Lebensregeln.

John Mott hat für sich Lebensregeln aufgestellt, die ihm helfen sollen, für Jesus auf Empfang zu sein, nah bei ihm zu bleiben. Lebensregeln, die Jesus die Chance geben, Leben inhaltlich zu füllen. Lebensregeln, die dem Geist überhaupt die Chance geben, zu mir zu reden und mich zu aktivieren. Lebensregeln, die helfen die Priorität in meinem
Leben richtig zu setzen.
Beides zusammen wird zu einem lebendigen, bedeutsamen Leben führen.
Ein Freund von mir und ich haben uns über lange Zeit einmal die Woche für eine Stunde am Telefon getroffen, um uns auszutauschen, einander zu beichten und füreinander zu beten. Wir haben die Lebensregeln von John Mott für uns entdeckt. Allerdings haben wir auch festgestellt, dass 27 Regeln echt viele sind. Deswegen sind wir weit davon entfernt, alle 27 in die Tat umzusetzen – aber wir arbeiten daran, dass es immer mehr werden. Und wir merken, dass das uns und unserer Beziehung zu Gott gut tut.
Wir merken, dass da ganz viel Leben drin steckt. Ein, zwei Regeln haben wir für uns auch modifiziert und angepasst – ich denke, das ist erlaubt.

Wir erleben, dass uns diese Regeln helfen, auf Empfang zu sein für Jesus, zu merken wie und wo er uns Lebensinhalt schenken möchte, wo er uns gebrauchen und zum Segen setzen möchte.
Wir sind deswegen Immer noch nicht Friedensnobelpreisträger (obwohl ich ja noch nicht soooooo alt bin – kann also noch werden) … aber deutlich erfüllter – als Christen und Mitarbeitende.

PRAXISTIPP

27 kleine Lebensregeln

I. UM LEIBLICH ZU WACHSEN

  • Ich halte einen wöchentlichen Ruhetag.
  • Ich schlafe jede Nacht lange genug.
  • Ich betätige mich täglich körperlich.
  • Ich vermeide Energieverschwendung durch
    • zu häufiges Sprechen, Grübeln und Ängstlichkeit,
    • fortwährendes Denken an meine Arbeit,
    • fortwährendes Bleiben in der Spannung, der Arbeit,
    • zu lange ausgedehnte Arbeiten
  • Ich beachte die Gesetze der Erhaltung meiner Gesundheit.
  • Ich betrachte körperliche Gesundheit als eine Gabe, über die ich genau Rechenschaft ablegen muss.
  • Ich nehme in jedem Jahr einen richtigen Urlaub, zu dem folgendes gehört
    • vollständiger Wechsel des Alltags,
    • absolute Abwendung vom Fachsimpeln in Worten und Gedanken,
    • täglich eine Stunde Studium mir fremder Gebiete,
    • täglicher Umgang mit geistlichen Dingen.

II. UM GEISTIG ZU WACHSEN

  • Ich lege mir in jedem Jahr einen Plan zurecht um meine geistige Entwicklung voranzutreiben.
  • Diesem Plan folge ich entschlossen.
  • Ich beachte folgenden Plan des Studiums
    • gründliches Studium eines Buches der Bibel,
    • umfassende Erforschung eines Wissensgebietes, das mit meiner Arbeit zusammenhängt.
    • Ich knapse mir bestimmte Zeiten für das Studium ab.
    • Ich pflege eine beobachtende und forschende Geisteshaltung.
    • Ich nütze die Gelegenheit, mich mit anderen Menschen gründlich zu unterhalten.
    • Ich schaffe mir einen einfachen Plan, die Ergebnisse meiner Lektüre, Gespräche und meines Nachdenkens zu notieren.
    • Ich schreibe Artikel, die ein besonderes Studium und eine besondere Forschung erfordern.
    • Ich arbeite neue Ansprachen aus, die ein spezielles Studium verlangen.
    • Ich verbinde mich aufs engste mit einem oder mehreren Menschen, die anerkannt geistige Größen sind.

III. UM GEISTLICH ZU WACHSEN

  • Ich ersinne weitreichende und großzügige Pläne, mein geistliches Leben zu fördern.
  • Ich lege gelegentlich einen halben oder einen ganzen Tag zur Überprüfung einer geistlichen Situation ein.
  • Ich halte unter allen Umständen die Morgenwache.
  • Ich tue alles um mein Gebetsleben zu fördern.
  • Ich baue die »Stille Zeit« in meine Pläne ein.
  • Ich übe ein regelmäßiges Bibelstudium.
  • Ich lese gelegentlich ein bedeutendes Bekenntnisbuch der Kirche.
  • Ich gehe regelmäßig zur Kirche.
  • Ich bekämpfe mutig die Sünde in jeder Form. Insbesondere suche ich die »kleinen Sünden« auszuschalten.
  • Ich komme in Herzenskontakt mit der echten Not meines Nächsten und versuche, ihm zu helfen.

Quelle: Ringelband, Friedhelm 2009. Das Lebensbild von John Mott: Evangelium verbreiten und Versöhnung stiften. Netzwerk, Mitarbeiter-Magazin des CVJM-Westbundes, 162, 12-13.

Vielleicht inspirieren dich Johns Lebensregelnd dazu, selbst einmal ein paar Regeln für dich (oder für euch im Mitarbeiterteam) zu testen? Fang gern klein an und steigere dich dann. Vielleicht brauchst du auch komplett andere Regeln, als John sie hier formuliert hat, weil dir ganz andere Dinge helfen, nah an Jesus dran zu bleiben und sich deinen Lebensinhalt von ihm vorgeben zu lassen.
Ich wünsche Dir viel Spaß, Motivation und vor allem tolle Erlebnisse mit Gott und Menschen, beim Ausprobieren!
Und wenn du irgendwann einmal den Friedensnobelpreis bekommen solltest – vergiss nicht, John und mich in deiner Dankesrede zu erwähnen.
(Heiko)

LUSTIG

Der Dorfpfarrer beobachtet zwei Jungen, die auf der Straße heftig diskutieren. Er geht zu ihnen und erkundigt sich, was los sei. „Wir haben hier gerade einen Euro gefunden“, erklärt der eine, „und haben überlegt, wer von uns beiden ihn bekommen soll!“
„Und – seid ihr zu einer Lösung gekommen?“
„Klar“, antwortet der andere Junge, „den Euro hat sich derjenige verdient, der am besten lügen kann.“
Hochwürden ist entsetzt: „Aber kennt ihr nicht die Gebote Gottes? Lügen ist streng verboten! Ich selbst habe mein ganzes Leben nie gelogen, sondern immer die Wahrheit gesagt!“
Die beiden Jungen sehen einander nachdenklich an und schließlich sagt der eine zum anderen: „Okay, er hat gewonnen – gib‘ dem Herrn Pfarrer den Euro!“


Heiko Metz

Heiko Metz

war Jugendpastor, Landesreferent für die Arbeit mit Kindern und hat eine Kinderfreizeiteinrichtung für benachteiligte Kinder in einer deutschen Großstadt geleitet. Er engagiert sich bei Compassion als Gemeindereferent und ist Lehrbeauftragter für Gemeindepädagogik/ Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an der Evangelischen Hochschule TABOR. Er liebt Kaffee, Jaguare (zum Fahren, nicht unbedingt die Tiere), Bücher, Eis, Single Malt Whisky und staunt immer wieder neu über Gottes Liebe zu den Kindern dieser Welt.

2 Comments

Miriam · 21. November 2018 at 20:17

Wow, das Leben von John Mott ist echt inspirierend! Danke für die Zusammenfassung und den Hinweis auf seine (echt sinnvollen) Lebensregeln! Ich lese gerade „Keine Kompromisse“ eine Aufforderung zu einem radikalen Leben… das passt thematisch gut dazu.
Viele Grüße, Miriam

[Jugendleitermail 483] Ein leuchtendes Beispiel - Ermutigung für Mitarbeitende · 4. Dezember 2018 at 11:18

[…] In der nächsten Jugendleitermail geht es weiter mit John R. […]

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