HALLO,

und adventliche Grüße aus Marburg!

Freust du dich auf Weihnachten? Feierst du Advent? Läufst du heute im Nikolauskostüm durchs Haus? Oder hat dich der Alltag fest im Griff und ist dir das alles zu viel, stressig oder nervig?

Ich habe mir mal ein paar Gedanken dazu gemacht, wozu solche christlichen Feiertage und -zeiten eigentlich gedacht sind und warum die uns vielleicht gut tun könn(t)en …

Wir wünschen Dir eine Woche ohne „Last Christmas“, dafür mit Lebkuchen, ohne „Weihnachtsfeierzwang“ aber mit echter Vorfreude auf Jesu Geburtstagsparty!

Dein

Stephan und Heiko

EIN WORT ZUR ERMUTIGUNG

Gott tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind.

Hiob 9,10

HALTEPUNKTE IM ALLTAG

06:00 Uhr, Donnerstagfrüh: Der Wecker klingelt. Gestern ist es mal wieder später geworden, als geplant – aber es hilft nichts. Aufstehen ist angesagt. 

Kaffeekochen, Bibellesen, Frühstück vorbereiten. 

Währenddessen hat die Frau den Sohn geweckt und einigermaßen auf Betriebstemperatur gebracht.

Gemeinsames Frühstück, „Mama  Arbeit“. Winken. 

Dann Windeln wechseln (beim Sohn, nicht bei mir), Waschen, Anziehen und los.

Erst zur Tagesmutter. Dann zur Arbeit. 

Hier warten ein voller Schreibtisch samt ebenso vollem Terminkalender. Der Tag ist einigermaßen durchgetaktet – „natürlich“ dauern zwischendurch Sitzungen länger als geplant, so dass am Ende des Tages noch eine lange Unerledigt-Liste bleibt. 

Auf dem nach-Hause-Weg noch ein bisschen was einkaufen.

Zu Hause werde ich direkt vom Sohn in Beschlag genommen. „Papa kommen“. Nach angemessener Bausteinezeit und Kaffee-aus-Kastanien-Trinkerei, gehts ans Essenvorbereiten. 

Abendessen, Sohn bettfertig machen, Gute-Nacht-Geschichte lesen. 

Ein bisschen was Privates/ Haushaltstechnisches erledigen, während die Frau den Sohn ins Bett bringt …

Noch ein paar Dinge absprechen, evtl. zweieinhalb Seiten lesen und dabei einschlafen … 

06:00 Uhr, Freitagfrüh …

Alltag. 

Die täglichen Herausforderungen und Abläufe, die sich ähneln. 

Die Zeit, die nie zu reichen  scheint für die Aufgaben- und Erwartungsliste.

Die Zeit, die vergeht – unaufhörlich – und mich verändert, älter werden lässt.

Alltag.

Nicht wenige sprechen vom Hamsterrad, in das sie sich eingesperrt fühlen.

Jeder kennt jemanden mit „burn out“. 

Fast jeder hat selbst schon einmal etwas gesagt, wie:

“Wie schnell die Zeit vergeht – schon wieder ein Jahr rum.” So ein Stress immer – für nix hat man Zeit.” “Die Zeit zerrinnt einem zwischen den Fingern.” „Der Alltag frisst uns auf.“ „Ich würd ja gern mal ausspannen, aber es ist immer so viel zu tun.“

irgendwie ahnen wir manchmal, dass wir uns verrannt haben könnten. Verpasst haben, an der richtigen Stelle anzuhalten, auszusteigen. Kraft zu schöpfen und Orientierung zu suchen. Aber dann geht es auch schon weiter.

Wir haben den HALT verloren.

Alltag. 

Aber dann steht ein Fest an. Ein Feiertag. 

Ein Fest durchbricht den Alltag.
Der Sohn freut sich wochenlang auf Weihnachten, ist bei jeder Kleinigkeit völlig aus dem Häuschen:

– Eines abends werde ich freudestrahlend vom Sohn an der Tür empfangen. Schon als ich noch die Treppe hochstapfe, brüllt er mir entgegen: „Papa neue Sik!!“ Ich komme nicht zum Schuheausziehen, sondern werde gleich ins Kinderzimmer geschoben, wo eine für den Sohn vollkommen neuen Weihnachts-CD läuft.

– Bei der morgendlichen fahrt zu Tagesmutter, schallt es auf einmal aus dem Jacke-Schal-Mütze-Haufen im Kindersitz: „Papa Nekelof da!“ Auch wenn auf der Strecke maximal zwei Mal wirklich Nikoläuse zu sehen sind, entdeckt der Sohn in allem und jedem einen Nekelof und tut dies begeistert kund. 

– „Noch 1, 5, 7 Weihnachten“ verkündet der Sohn eines Samstags morgens und will damit, wie wir nach einiger Detektivarbeit herausfinden, sagen, dass er auf Grund seines Adventskalender vorherbestimmen kann, wann Weihnachten ist. Damit das auch wirklich funktioniert, will er täglich alle schon gelesenen Adventskalendergeschichten wiederholen und sehen, wie wenige neue noch überbleiben, bis Weihnachten ist. 

– „Baby kalt“, stellt der Sohn eines nachmittags fest, als wir gemeinsam mit der Krippe spielen und deckt das Jesuskind in der großen Holzkrippe mit einem fast noch nicht benutzten Taschentuch zu. 

– Weihnachten. Gottesdienst mit Liedern und Theater. Versperrtes Wohnzimmer und ein Hauch von Geheimnis überall. Der Sohn ist gespannt wie ein Flitzebogen und weiß vor Freude, Begeisterung und Spannung gar nicht wohin mit sich, als er in das Zimmer mit dem geschmückten und hell leuchtenden Baum darf. 

 

Ein Fest durchbricht den Alltag und wird zu einen HALTepunkt.
Wir erleben, wie gut es tut, zu feiern, Zeit zu haben, die Familie zu treffen, Rituale zu haben und zu begehen, wieder neu einen Anknüpfungspunkt bei Gott finden und begeistert über ihn staunen.

Erleben, wie ein Fest, ein HALTepunkt, uns hilft, den Alltag mit neuer Kraft anzugehen und sich nicht von ihm gefangen nehmen zu lassen. 

Warum ist das so?

Mein Eindruck ist, dass wir uns in unserem Alltag mit all seinen Gewohnheiten, Anforderungen, Zielen etc. wirklich schnell verlieren und es wenig bis keine festen HALTepunkte für uns gibt. Weil halt so viel zu tun ist. Immer. Weil die Zeit verrinnt.
Dadurch werden existentielle Fragen oft ausgeblendet und nicht beantwortet: Wer bin ich eigentlich? Wo komme ich her und wo geht es hin mit mir? Wer oder was hält mich, trägt mich?

Feste geben dem Leben eine besondere Qualität, weil sie uns den Alltag heilsam begrenzen und Atempausen schaffen. Weil sie uns Vorbereitungszeiten, Höhepunkte und Zeiten des Nachklingenlassens bescheren. 

Weil sie Raum schaffen für die existentiellen Fragen. Und weil wir mit den Festen des Glaubens ja nicht einfach irgendetwas feiern, sondern Gott selbst, bringen sie uns auch Antworten.

Wenn wir Gottes Taten feiern, bricht etwas Größeres in unseren Alltag durch, an dem wir (wieder neu) den Sinn des Ganzen erahnen können. Im Feiern von Gottes Befreiung, Erlösung und Hilfe werden wir herausgeholt aus dem Alltagstrott und auf die wirklich wichtigen Fragen und -vor allem – die Antworten gewiesen: Wir werden wieder zu echten Menschen, die von Gott zugesprochen bekommen: „Du bist wertvoll. Ich habe dich geschaffen und halte dich. ich habe Fähigkeiten und Potential in dich hineingelegt – du hast eine erstrebenswerte Zukunft vor dir. Du darfst dich erinnern, was ich alles für dich getan habe, tue und immer tun werde. Du darfst deine Sinne schärfen lassen, dies alles auch in deinem Alltag zu entdecken.“
Dadurch wird es möglich: neue Positionen zu beziehen, Prioritäten neu zu setzen, Umkehr zu beginnen, Staunen über das Wertvolle und Unbezahlbare in unserem Leben zu genießen und einzuüben oder einfach Motivation und Kraft zu sammeln. 

So durchbricht ein Fest den Alltag, wird zu einen HALTepunkt und gibt HALT für den Alltag. 

Ein Leben ganz ohne Feste, nur mit Alltag wird schnell ermüdend oder gar leblos auf Dauer. HALTepunkte sind wichtig, um lebendig zu bleiben.

Wie gut, dass wir solche Feste nicht komplett neu erfinden müssen – sondern auf eine lange Tradition zurückblicken können, die da schon für uns vorgearbeitet hat. 

Das sogenannte Kirchenjahr (1. Advent bis Ewigkeitssonntag) erzählt uns im Laufe eines Jahres, was „Leben wie Gott es sich vorgestellt hat“, bedeuten kann. Es ist ursprünglich aus den Feiern zu Ostern und denen zu Weihnachten entstanden. Die erste Hälfte des Kirchenjahres feiert die Geschichte von Jesus Christus. In der zweiten Hälfte des Kirchenjahres, werden Feste der Gemeinde gefeiert, wie etwas Erntedankfest.

Wer als Christ und Gemeinde mit dem Kirchenjahr lebt, erlebt in jedem Jahr die ungeheuerliche Geschichte Gottes mit seinen Menschen neu. Geschichte von Rettung, Heilung und Vollendung – und wird selbst als Christ und als Gemeinde mitten in diese Geschichte gestellt.
Da wir diese Fest zu diesen Zeiten nicht alleine feiern, sondern gleichzeitig mit  Christen überall auf der Welt, vergewissern wir uns im Feiern auch unserer Gemeinschaft als weltweite Christenheit. 

(Dieser Text ist zuerst erschienen in: Metz, Heiko. 2017: Kinder feiern – Mit Kindern Feste des Glaubens entdecken. Kassel: BORN Verlag.)

EINE FRAGE FÜR DICH

Wie kann der Advent 2018 zu einem solchen HALTepunkt für dich werden?

Wie kann das für euch als Mitarbeitendenteam aussehen? Oder in eurer Gruppe?

In der nächsten Ausgabe der Jugendleitermail machen wir uns gemeinsam noch ein paar mehr Gedanken zum Thema „Advent als HALTepunkt“ – bis dann!

(Heiko)

ECHT WITZIG

Zur Adventszeit spricht der kleine Johannes wie immer vor dem Zubettgehen sein tägliches Abendgebet, als er plötzlich laut ruft: “Und ich bitte dich, liebes Jesuskind, bringe mir zu Weihnachten ein Fahrrad!“

„Du brauchst doch nicht so zu brüllen“, beschwichtigt ihn die Mutter, „Jesus ist doch nicht schwerhörig.“

„Aber der Opa schon!“


Heiko Metz

Heiko Metz

war Jugendpastor, Landesreferent für die Arbeit mit Kindern und hat eine Kinderfreizeiteinrichtung für benachteiligte Kinder in einer deutschen Großstadt geleitet. Er engagiert sich bei Compassion als Gemeindereferent und ist Lehrbeauftragter für Gemeindepädagogik/ Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an der Evangelischen Hochschule TABOR. Er liebt Kaffee, Jaguare (zum Fahren, nicht unbedingt die Tiere), Bücher, Eis, Single Malt Whisky und staunt immer wieder neu über Gottes Liebe zu den Kindern dieser Welt.

1 Comment

[Jugendleitermail 487] Advents-Alltag?! 02 - Ermutigung für Mitarbeitende · 13. Dezember 2018 at 16:52

[…] der letzten Jugendleitermail ging es um die Frage, wozu es überhaupt christliche Feiertage und -zeiten gibt – und warum […]

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