Hey,

hast du auch Seilschaften?
Im normalen Sprachgebrauch ist das kein sonderlich positiv besetztes Wort.
Das ändern wir heute.

Dein Stephan & Heiko

Ein Vers zur Ermutigung

Ein einzelner Mensch kann leicht überwältigt werden, aber zwei wehren den Überfall ab. Noch besser sind drei; es heißt ja: Ein Seil aus drei Schnüren reißt nicht so schnell.
(Prediger 4,12)

Seilschaften

Leonie und Christian platzen fast vor Freude, als sie all ihren Freunden erzählten, dass er ihr einen romantischen Hochzeitsantrag gemacht hatte und sie deswegen eine große Party feiern wollten. Es gab nur ein kleines Problem: Sie hatten kein Geld. Sowohl Leonie als auch Christian kamen nicht aus gerade wohlhabenden Familien – aber beide hatten einen riesigen Freundeskreis. Also baten sie ihre Freunde, je eine Flasche Rotwein mitzubringen. Am Eingang des gemieteten Saales stellten sie ein großes Holzfass auf, in das jeder seinen Wein schütten konnte und aus dem sich jeder bedienen konnte. 
Die Party war im vollen Gange und alle waren fröhlich dabei. Schließlich beschloss Leonie, sich auch ein Glas Wein zu gönnen, ging fröhlich in Richtung Fass, schüttete ihren Becher voll und trank einen Schluck. 
Dann erbleichte sie; Tränen stiegen ihr in die Augen. Schließlich konnte sie sich nicht mehr beherrschen und stürzte heulend aufs Klo. 
In ihrem Becher und damit im Fass war nur Leitungswasser.
Jeder ihrer Freunde hatte gedacht: Die eine Flasche billiges Leitungswasser wird im großen Fass teurer Weine schon nicht auffallen.

Da jeder so dachte, fiel die Party im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Jede Gemeinschaft ist nur so gut, wie das, was jeder in sie investiert! Wenn du echte Gemeinschaft erleben willst und den Wunsch, ja die Sehnsucht nach echter und liebevoller Gemeinschaft verspürst, dann musst du ein paar harte Entscheidungen fällen und ein paar Risiken eingehen!

Echte Gemeinschaft braucht Ehrlichkeit! Echte Gemeinschaft lebt von Offenheit! Und das erfordert Mut und ist in gewisser Weise auch ein Risiko. Natürlich gehst du z.B. das Risiko ein, verletzt zu werden, wenn du Dinge von dir preisgibst. Oder du verletzt vielleicht jemand anderen, wenn du dir vornimmst ehrlich zu sein. Das bedeutet dann auch, dass es unter Umständen zu handfesten Konflikten kommt. 

Aber es gibt keine Light-Version von echter Gemeinschaft! Genauso, wie es keine Light-Version von Liebe gibt. Es zählt in einer Gemeinschaft nicht mehr nur allein das, was dir wichtig ist, sondern was für den anderen wichtig ist. Das nennt man in der christlichen Fachsprache dann Demut.

Gemeinschaft zu fördern erfordert auch Freundlichkeit. Es ist schließlich einen Tatsache, dass wir alle Ecken und Kanten haben. Aber Gemeinschaft fragt nicht danach, ob wir zusammen passen. Die Grundlage für unsere Gemeinschaft ist unsere Beziehung zu Gott, und genau das macht uns zu einer Familie!

So wie wir in der Gemeinde zusammensitzen: Gott macht uns zu einer Familie.
Wenn wir an Jesus glauben, wird Gott zu unserem Vater, und wir werden seine Kinder. Andere Christen werden zu unseren Brüdern und Schwestern und die Gemeinde zu meiner geistlichen Familie.
Zusammen sind wir stark, wenn wir echte Gemeinschaft pflegen.

Prediger 4,12 will das mit dem Bild eines Seils ausdrücken. Mit einer Seilschaft sozusagen.
Warum reißt ein Seil aus drei Schnüren nicht so schnell, wie ein Seil aus einer Schnur? Der Clou an so einem Seil aus drei Schnüren ist ja, dass da nicht einfach drei Schnüre nebeneinander liegen und man das dann Seil nennt – NEIN, die drei Schnüre sind so miteinander verwoben, haben so starke Gemeinschaft, dass daraus ein Seil wird, das keiner mehr zerreißen kann

Wenn ich echte Beziehungen mit Tiefe und Liebe erleben will, braucht es eine so starke Gemeinschaft, wie bei so einem Seil.Ehrliche und freundliche Gemeinschaft.
Dann kann ich mich auf meine Beziehungen hier in total verlassen, mich darin geborgen fühlen und daraus Kraft schöpfen. 
Weil das etwas ist, was sich jeder wünscht und wonach jeder Sehnsucht hat, hat Gott sich das so ausgedacht, dass das für Christen möglich ist.

Der beste Ausdruck dieser ehrlichen und freundlichen Gemeinschaft ist das Abendmahl. Gott schenkt uns ein Sakrament, das uns zu einer Gemeinschaft zusammenfügt, das aus einzelnen Schnüren ein festes Seil webt.

Wenn ich denke, dass die anderen doof sind und nur ich weiß, wies geht, sagt mir das Abendmahl, dass wir alle Sünder sind und Gott jedes Recht hätte uns jetzt gleich hier umzunieten. Vor Gott ist keiner besser. Jeder ist nur deshalb etwas wert, weil Gott ihn liebt. 

Wenn ich den Eindruck habe, ich müsste mich vor den anderen beweisen, sagt mir das Abendmahl, dass alle ihre Sünden bekennen müssen. Dann kann ich ehrlich und freundlich mit allen umgehen, weil ich weiß, dass keiner perfekt ist und sein muss.

Wenn ich den Eindruck habe, dass ich ganz alleine da stehe, sagt mir das Abendmahl, dass ich durch meinen Glauben an Jesus zu einer riesigen Gemeinschaft von Christen gehöre und mit ihnen durch Jesus verbunden bin.

Wenn ich den Eindruck habe, dass ich zu schlecht, zu faul, zu doof oder zu sündig für Gott bin, sagt mir das Abendmahl, dass Gott mich bei sich haben will und mir sogar Freunde schenkt.

Wenn ich den Eindruck habe, dass die Gemeinde oder meine Gruppe doof sind, sagt mir das Abendmahl, dass Gottes Gemeinde immer so gut ist, wie das, was ich in sie hinein investiere. Denn ich bin auch nur so gut, wie das, was Gott in mich hinein investiert hat.

Das Abendmahl ist das Zeichen dafür, dass wir eine echte Gemeinschaft sind – mit ganz vielen Seilschaften. Wir dürfen das glauben, uns darüber freuen und es dann auch leben!

Jetzt wird’s praktisch

Du ahnst es wahrscheinlich schon: Feiert Abendmahl zusammen und knüpft neu(e) Seilschaften! Vielleicht nutzt ihr ein Seil zur Veranschaulichung der Bedeutung dieses tollen Sakraments?

Wirklich witzig?!

Im Zoo ist der letzte Gorilla gestorben. Ein Student übernimmt gegen gute Bezahlung die Rolle. Er brüllt, klettert, hängt sich an ein Seil und schwingt und schwingt – und rutscht ab und landet im Löwenkäfig.
„Hilfe, Hilfe!“ schreit der Student.
Da flüstert ihm ein Löwe zu: „Sei bloß ruhig, sonst sind wir beide unseren Job los!“


Heiko Metz

Heiko Metz

war Jugendpastor, Landesreferent für die Arbeit mit Kindern und hat eine Kinderfreizeiteinrichtung für benachteiligte Kinder in einer deutschen Großstadt geleitet. Er engagiert sich bei Compassion als Gemeindereferent und ist Lehrbeauftragter für Gemeindepädagogik/ Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an der Evangelischen Hochschule TABOR. Er liebt Kaffee, Jaguare (zum Fahren, nicht unbedingt die Tiere), Bücher, Eis, Single Malt Whisky und staunt immer wieder neu über Gottes Liebe zu den Kindern dieser Welt. Mehr über ihn gibt es unter www.heikometz.net

1 Comment

Seilschaften (Jugendleitermail) - Liebe kann man lernen · 30. Dezember 2019 at 20:06

[…] Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf jugendleiternetz.de. […]

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