Hey,

wir packen heute ein hartes Thema an. Wir hoffen, es ermutigt dich trotzdem (oder gerade deswegen), dich und deinen Glauben konstruktiv zu hinterfragen und Partei für zu ergreifen, die es dringend brauchen.

Dein Stephan & Heiko

Ein Vers

Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid darum klug wie die Schlangen und doch ohne Falsch wie die Tauben. Nehmt euch in Acht vor den Menschen! Sie werden euch in ihren Synagogen vor Gericht stellen und auspeitschen. Man wird euch um meinetwillen vor Machthaber und Könige führen, und ihr sollt vor ihnen und vor allen Völkern meine Zeugen sein. Wenn man euch vor Gericht stellt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr reden und was ihr sagen sollt. Denn wenn es so weit ist, wird euch eingegeben, was ihr sagen müsst. Nicht ihr seid es, die dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch redet.
(Matthäus 10,16-20 (NGÜ))

Warum werden wir eigentlich nicht verfolgt?

Weltweit werden Christen verfolgt und sind trotzdem Christen. Das ist für so unglaublich viele Christen Alltag. Warum ist das eigentlich so? 

„Seht ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.“ Welches Schaf kriegt in so einer Gesellschaft keine Schwierigkeiten?
„Sie werden euch in ihren Synagogen vor Gericht stellen und auspeitschen. Oder ausstoßen, foltern, gefangen nehmen, töten. Man wird euch um meinetwillen vor Machthaber und Könige führen. Die Mächtigsten werden sich mit euch beschäftigen, weil ihr wirklich anders seid.“
Die Jünger haben das erlebt.
Millionen Christen erleben das bis heute.
Warum erleben wir das eigentlich nicht?

Nicht, dass ich Masochist wäre und mir ein bisschen Christenverfolgung auch in Deutschland wünsche, weil ich so scharf aufs Gefoltert-Werden bin. Aber warum hab ich normalerweise nicht das Gefühl ein Schaf unter Wölfen zu sein, obwohl Jesus mich so sendet?
Warum interessieren sich weder Machthaber noch Gerichte für das Gemeinden machen? 
Ob Jesus es sich anders überlegt hat? Ob er gemerkt hat: Das mit dem Leiden ist doch nicht so ne gute Idee – meine Lieblinge in Europa müssen nicht – nur der Rest der Christenwelt darf sich foltern lassen? Glaub ich irgendwie nicht. 

Aber wenn es für Christen eigentlich normal ist, wenigstens anzuecken und so anders zu sein, dass sie auffallen und andere herausfordern – wenn das wirklich ein Kennzeichen von Christen ist – dann müssen wir uns diese Frage gefallen lassen: Warum werden wir eigentlich nicht verfolgt? Läuft da bei uns was schief? Ich glaube ja. 

Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch und jede Gruppe von Menschen von einem bestimmten Geist beherrscht und bestimmt wird. Wir reden vom Geist des Nationalsozialismus, der ganz Deutschland in seiner Gewalt hatte und normale Menschen dazu gebracht hat, Juden zu töten und Krieg gegen die ganze Welt zu führen. Journalisten sprechen vom Geist des Terrorismus, der jungen Männern in Trainingscamps mitgegeben wird und der sie dazu bringt, Selbstmordattentate durchzuführen – obwohl man sie sonst für normale, freundliche Leute gehalten hätte. Es geht aber auch um Unternehmenskultur, also um den Geist, der ein Unternehmen bestimmt. Um den Geist der Aufklärung, einer philosophischen Strömung, die schon hunderte Jahre alt ist, aber bis heute das Denken von uns allen furchtbar stark beeinflusst. 

Wir werden von vielen Geistern bestimmt – und in der Bibel zeigt sich das ganz deutlich. 

Da wird berichtet von einzelnen Personen, die von so einem Geist besessen werden, wie dem Mann, der auf dem Friedhof wohnt, sich selbst verletzt, verweigert etwas anzuziehen und gegen jeden gewalttätig wird, der ihm zu nahe kommt. Keiner weiß Rat. Aber Jesus kann dem Mann helfen. Er benennt diesen bösen Geist, der da von dem Mann Besitz ergriffen hat, zerrt diesen Geist quasi ans Licht, so dass alle ihn sehen können. Und damit ist er angreifbar geworden.

Da wird aber auch vom Geist berichtet, der in Institutionen oder Systemen steckt. Manchmal greift Jesus da ganz direkt ein, wenn er z.B. in den Tempel geht und die Tische der Geldwechsler umwirft, wenn er die religiösen Führer „Heuchler“ und „Wölfe im Schafspelz“ nennet oder wenn er ganz bewusst in aller Öffentlichkeit am Sabbat heilt und damit die Wut der religiösen Elite herausfordert. Ihre gewaltsamen, hasserfüllten Reaktionen zeigen, von welchem Geist sie wirklich beherrscht werden. 

Immer, wenn Jesus mit dämonischen Mächten und Geistern zusammenstößt, zeigt sich: Mit Jesus ist eine neue Macht, ein neuer Geist in die Welt gekommen – der Heilige Geist. Genau wie kranke, zerstörerische Geister ganze Gruppe beherrschen können, dringt auch dieser neue Geist in die Menschen ein und macht aus ihnen eine ganz neue, gesunde, kreative Gemeinschaft – die neue Welt Gottes. 

Es gibt ganz also reale gefährliche Mächte, die gut verborgen in unserer Welt am Werk sind – und wenn sie nicht „Heiliger Geist“ heißen, dann arbeiten sie gegen Gott. Wir sind immer von dem einen oder anderen bestimmt.

Das bedeutet: Die neue Welt Gottes ist eine Gegenmacht, eine Gegenbewegung, ein Gegenreich, das alle korrupten menschlichen Regime entlarven, beim Namen nennen und als das hinstellen will, was sie wirklich sind. Dabei besetzt der heilige Geist nicht mit Zwang einen Menschen, eine Institution etc., sondern kommt einfach, klein und schwach daher. Und genau das ist der Skandal. 

Nehmen wir z.B. die Verurteilung Jesu.
Der Machthaber Pilatus, der Mann, der Jesus zum Tode verurteilt, der stellvertretend für die Weltmacht Rom sprechen kann und dem tausende Soldaten gehorchen – also der, der die Macht hat – wie schwach ist der. Er lässt sich von seiner Frau und vom Volk manipulieren, will keine Entscheidung treffen, bis er dazu gezwungen wird und fragt Jesus, was denn eigentlich Wahrheit ist.
Jesus, der Verurteilte, Geschlagene und in Ketten Gelegte, der gleich am Kreuz sterben wird und blutend vor Pilatus steht – der keine Macht hat, wie stark ist der. So erfüllt von der Gewissheit, dass die Macht des Pilatus völlig unbedeutend ist. Dass Pilatus nichts tun kann, wenn ihm nicht die Macht dazu gegeben wird? 

Angesichts dieser schlichten moralischen Autorität Jesu sind die Macht und Autorität Roms einfach nur von grotesker Brutalität. Der Geist Roms ist entlarvt – man kann ihn sehen, er ist angreifbar geworden. Das ist ein Skandal! Die eigentlich Mächtigen sind die Schwachen – die vermeindlich Schwachen sind die Starken. Deswegen wird Jesus ans Kreuz genagelt. Deswegen werden seine Nachfolger bis heute verfolgt.

Weil sie vom Heiligen Geist bestimmt werden. Weil sie zeigen, dass die Geister dieser Welt alle miteinander Arschlöcher sind und den Menschen kaputt machen.
So und nur so breitet sich das Reich Gottes aus. Schwach, verletzlich, angreifbar, ohnmächtig. Wir können niemanden zu Jesus zwingen. Weder mit guten Argumenten, noch mit Gewalt oder Druck. Wir können niemandem den Heiligen Geist reinprügeln – alles was wir können, ist zu zeigen, dass die falschen Geister , die heimlich regieren, die Welt kaputt machen und unsere Alternative anbieten.

Wer aber eine solche Botschaft vertritt, der ist gefährlich für die Mächtigen und Tonangebenden. Der ist gefährlich für das System. Der wird verfolgt. 
Nach Ostern sendet Jesus sein Jünger genau dazu aus und er weiß, was ihnen blühen wird. Paulus z.B. hat das erlebt. Gesteinigt und mehrfach ins Gefängnis geworfen. Schwach und klein. Aber unglaublich kraftvoll.

Zurück zur Frage: Wenn wir nicht verfolgt werden, wenn sich keiner über uns ärgert, wenn in unserer Nähe keine Geister entlarvt werden – dann läuft bei uns mächtig was schief!

Was für ein Geist steckt z.B. dahinter, wenn für uns alles billig sein muss, egal, was das für andere bedeutet? Wenn für meine Jeans die Kinder der Baumwollplantagenarbeiter verhungern, die Bleicher Lungenkrebs kriegen und 400 Liter Wasser verbraten werden, und nebenan Menschen verdursten? Wenn Geiz geil ist und wir alles, was wir haben nur für uns benutzen wollen? Wenn wir immer mehr und immer die neuesten Sachen brauchen, weil nur das Neuste cool und toll ist? Wo ist die Gemeinde, die sich angreifbar macht und diesen Geist entlarvt?

Was für ein Geist steckt dahinter, wenn christliche Gemeinden nicht miteinander arbeiten, sondern schlecht übereinander reden? Wenn sich Christen gegenseitig schlecht machen und sich den Glauben absprechen? Wenn wir in einem Dorf lieber vier verschiedene Gemeindehäuser bauen und dafür Geld weghauen, anstatt zusammen zu arbeiten und das Geld sinnvoll einzusetzen? Wenn sich Gemeinden lieber darüber streiten, welche Lieder im Gottesdienst gesungen werden, als sich Gedanken über Arme und Kranke zu machen? Wenn uns die Verfolgung von hundertausenden Christen anderswo letztendlich nicht die Bohne interessiert? Wo ist die Gemeinde, die sich angreifbar macht und diesen Geist entlarvt?

Was für ein Geist steckt dahinter, wenn du im Jugendkreis, Hauskreis o.ä. dabei bist, hier für Gott brennst, ihn feierst, mit ihm redest und mit ihm die Welt verändern willst – aber zu Hause dein ganz normales alltägliches Leben lebst – wie alle anderen auch? Wenn du dich von allen möglichen Geistern bestimmen lässt und über den heiligen Geist nur in der Gemeinde nachdenkst? Wenn du mit betrügst, lügst, nach Leistung und Befriedigung gierst, alles für dich willst und dich die Not der anderen nicht juckt? Wo ist die Gemeinde, die sich angreifbar macht und diesen Geist entlarvt?

Wenn wir uns nicht um diese Fragen kümmern, dann sind wir keine Christen – dann sind wir allenfalls christliche Waschlappen. Dann beachtet uns keiner. Dann findet uns keiner spannend. Dann langweilen wir unsere Umgebung nur. 

Aber wenn wir wieder anfangen so zu leben, wie es der neuen Welt Gottes entspricht. Wenn wir schwach und klein sind und gerade dadurch die Mächtigen herausfordern und Geister entlarven. Wenn wir dem Heiligen Geist wirklich Platz in unserem leben einräumen. Dann passiert was. Dann kommt Gott durch uns zum Zug. Und dann werden wir anecken.

Jetzt wird’s praktisch

Bist du bereit, mit Gott wirklich aufs Ganze zu gehen? Bist du bereit, deine Sicherheit auf Spiel zu setzen? Bist du bereit, dass man dich verfolgt – weil du Gottes neues Reich aufrichtest, weil du die Welt veränderst?

Um dir die Dimensionen deutlich zu machen, informiere dich doch einmal genauer über Christenverfolgung weltweit, z.B. bei „Kirche in Not„.

Mehr zum Thema findest du z.B. hier.

Ein Zitat (weil nicht witzig ist)

Unsere verfolgten Brüder und Schwestern sind die Elite der Kirche. Mit ihnen solidarisch zu sein, ist eine Ehrensache.

Pater Werenfried von Straaten

Heiko Metz

Heiko Metz

war Jugendpastor, Landesreferent für die Arbeit mit Kindern und hat eine Kinderfreizeiteinrichtung für benachteiligte Kinder in einer deutschen Großstadt geleitet. Er engagiert sich bei Compassion als Gemeindereferent und ist Lehrbeauftragter für Gemeindepädagogik/ Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an der Evangelischen Hochschule TABOR. Er liebt Kaffee, Jaguare (zum Fahren, nicht unbedingt die Tiere), Bücher, Eis, Single Malt Whisky und staunt immer wieder neu über Gottes Liebe zu den Kindern dieser Welt. Mehr über ihn gibt es unter www.heikometz.net

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